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LA-MED: Zwei.Punkt.Null.

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In meinem letzten Beitrag hatte ich bereits erwähnt, dass es einen ähnlichen Text zum Thema LA-MED in der neuen Ausgabe der MWO Marktinformationen geben wird. Dieser Text ist heute dort erschienen und ich möchte ihn gleich als Fortsetzung meines letzen Beitrages hier einstellen. Er nimmt die jüngsten LA-MED-Veröffentlichungen aus dem Blickwinkel crossmedialer Kommunikationsstrategien auf und honoriert diesen neuen Studienansatz – unabhängig von den konkreten Reichweiten der gemessenen Webseiten.

Die Veröffentlichung der jüngsten LA-MED-Daten in der vorletzten August-Woche war durchaus ein historisch bedeutsames Ereignis. Und obwohl es dazu schon zahlreiche Wortmeldungen und Pressestimmen gab, muss an dieser Stelle natürlich auch eine würdige Erwähnung im MWO Newsletter folgen.

Meiner Ansicht nach sind gleich drei Aspekte wichtig, wenn auch von unterschiedlichem Gewicht:

1)    Printmedien werden von Ärzten nach wie vor als Informationsquelle erster Güte bevorzugt.
2)    Die zum zweiten Mal erhobene „Aktivierungsleistung“ von Fachzeitschriften erhärtet die wertvollen Erkenntnisse aus der ersten Erhebung.
3)    Die neu erhobene Online-Nutzung eröffnet den Einstieg in die Evaluierung crossmedialer integrierter Kommunikationskampagnen.

Eine würdige Kommentierung aller drei Aspekte würde diesen Beitrag in eine kleine Doktorarbeit überführen. Ich werde daher nacheinander auf die einzelnen Punkte vertiefend eingehen und in der heutigen Folge mit einer Übersicht einsteigen.

Dass Fachzeitschriften – also die guten alten Printmedien – nach wie vor als Informationsquelle erster Güte eingestuft werden, haben wir über die Jahre fast schon als eine abgenutzte Selbstverständlichkeit hingenommen und oft gleich wieder beiseite gelegt. Bei den zahlreichen „scheinfrischen Untergangsprognosen“ (Zitat Adam Soboczynski in der ZEIT) über die Zukunft der Printmedien und deren nahendem Ende ist das jedoch auf einmal wieder eine erwähnenswerte Neuigkeit. Mag ja sein, dass Experten in der B2B-Kommunikation hier dem allgemeinen Publikumstrend hinterher hinken. Mag auch sein, dass Ärzte sich lieber auf etwas verlassen wollen, was sie schwarz auf weiß nach Hause tragen können. Fakt ist: Print lebt in der Fachkommunikation!

Noch gewichtiger wird diese Tatsache durch die Erkenntnisse aus der Frage nach der „Aktivierungsleistung“ von Fachzeitschriften. Durch die Lektüre von Fachzeitschriften lassen sich Ärzte zu einer ganzen Reihe von Folgeaktivitäten animieren, die in einer Integrierten Kommunikationsplanung eine wichtige Rolle spielen: sie lassen sich mobilisieren, den Außendienst gezielt auf ein Thema anzusprechen, ein CME-Angebot zu nutzen, oder einen Kongress zu besuchen. Und sie suchen vertiefende Informationen in Online-Medien.

Womit wir automatisch beim dritten und wichtigsten Aspekt der jüngsten LA-MED-Studie angekommen wären. Zum ersten Mal in der jahrzehntelangen Geschichte der LA-MED wurde in der gleichen Erhebung die selbe Person nach der Nutzung von Online-Angeboten neben der Fachzeitschriften-Lektüre befragt. Für die Evaluierung crossmedialer Reichweiten ist diese marktforscherische Lösung unabdingbar. Ohne diese Grundvoraussetzung ist die Ermittlung von Gesamtreichweiten über unterschiedliche Medienkanäle hinweg schlicht unmöglich. Wie wir alle nun mit diesen neuen Daten umgehen werden, muss sich noch einspielen. Bis sich einst ein „Leser pro Ausgabe“ (LpA) als Messgröße bei Print etabliert hatte, bedurfte es einiger Diskussionen und Meinungsbildungsprozesse. Etwas Ähnliches wird auch für die neuen Online-Messgrößen „Nutzer pro Woche“ (NpW) oder „Nutzer pro Monat“ (NpM) nötig sein. Es gibt bereits jetzt Stimmen, die für dieses moderne, schnelllebige Medium einen feineren Messwert fordern. Sowas wie einen „Nutzer pro Tag“ (NpT) kann man durchaus bereits technisch ermitteln – aber eben „nur“ für Online-Medien. Für eine gemeinsame Reichweitenermittlung muss aber die obige Grundvoraussetzung („in der gleiche Erhebung die selbe Person“) erfüllt sein. Und Printmedien lassen sich eben (noch) nicht mit Adservern tracken.

Ebenso wichtig wird eine differenzierte Analyse der unterschiedlichen Websites sein. Je umfangreicher die Informationsangebote einer Website sind und je verzweigter die Sitemap, um so inhaltsleerer ist eine Erkenntnis über die Kontaktwahrscheinlichkeit auf der „Home“. Möglicherweise etablieren sich hierfür zusätzliche vertiefende Studien – vergleichbar einer MWO-Heftnutzungsstudie in Print!?

Außerdem sei darauf hingewiesen, dass bei dieser ersten Studie die Zielgruppe „Allgemeinärzte, Praktiker und Internisten“ befragt worden ist. All jene Webseiten, die sich auch oder gar schwerpunktmäßig an abgrenzbare Fachgruppen wenden, sind über diesen Ansatz von vornherein benachteiligt. Überhaupt nicht in Betracht gezogen werden bei dieser Studie jene Kontakte, die durch Newsletter generiert werden.

Bildet man eine Rangreihe der abgefragten Webseiten, fallen mehrere Aspekte auf.

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–  Selbst in der Messung nach „Nutzer pro Monat“ (NpM) kommen die reichweitenstärksten Webseiten über 27,5 % noch nicht hinaus.
–  Die höchsten Reichweiten erzielen Webseiten, die nahe am Berufsalltag des praktizierenden Arztes liegen (Arzneimittel-Daten).
–  Mit der „Roten Liste“ liegt eine Online-Plattform ganz vorne, die keinerlei Werbung aufnimmt.
Verlieren wir bei all diesen Fakten aber nicht den Blick für das Wesentliche: Es ging niemals darum – und sollte niemals darum gehen – einen bisherigen Kommunikationskanal durch einen neuen zu ersetzen. Dafür sind Print und Digital in ihren Wirkmechanismen viel zu unterschiedlich. Vielmehr geht es in Zukunft um die schlaue Kombination und die geschickte Verzahnung der unterschiedlichen Kanäle.

Die notwendige Breite in der Zielgruppenansprache bekommen wir nach wie vor verlässlich und belegbar über Print. Über Online bekommen wir nun eine messbare Ergänzung, die uns jene Informationstiefe liefert, die ein modernes Content Marketing sucht und braucht. (erstmalig veröffentlicht am 09.09.2013)

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Ein Kommentar

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Die Spreu vom Weizen trennen

Diesmal geht es um ein paar Gedanken zum übergeordneten Auftrag der Arbeitsgemeinschaft LA-MED und was das alles mit Qualitätsjournalismus im Fachbereich zu tun hat.

In zahlreichen Publikationen der Branchenpresse lesen wir ständig von den teilweise dramatischen Umsatzrückgängen im Anzeigengeschäft der klassischen Printmedien. Flankiert und heftig befeuert wird diese Diskussion von den tragischen Meldungen über das Zeitungssterben in Deutschland und weltweit. Das Schicksal der „Financial Times Deutschland“ wird dabei gern als Paradigma einer wuchtigen Entwicklung angeführt, deren heftigste Folgen uns erst noch bevorstehen. Nun, es kann gut sein, dass das alles so kommt. Es kann aber auch – erstens – anders kommen, und – zweitens – als mancher denkt. Trotz vieler Auguren, die gefragt oder ungefragt ihre Prognosen abgeben, weiß das im Moment keiner wirklich.

In unserer schönen kleinen Welt der medizinischen Fachzeitschriften scheinen wir eh noch in einer Kapsel zu leben, die ihren eigenen Entwicklungsgesetzen folgt. Im Kontext einiger aktueller Diskussionen um Auflagenzahlen habe ich mir in der IVW mal nicht die Auflagenmeldungen angeschaut, sondern die Anzahl der geprüften Titel.

In der Quartalsmeldung 3/12 meldet die IVW in der Gattung „Medizin und Gesundheitswesen“ 202 geprüfte Titel. Und da sind Pharmazie- und Veterinärtitel noch gar nicht mitgezählt. Für sich alleine sagt diese Zahl natürlich nicht viel aus. Ich habe daher mal die Entwicklung seit Anfang 2001 in dieser Grafik abgebildet:

IVW-Reihe

Was wir sehen, ist durchaus erstaunlich: von einer Spitze Ende 2008 mal abgesehen, gab es bis zum Quartal 4/12 selten so viele Titel wie zur Zeit. Im Moment gibt es immer noch ca. 50 Titel mehr in dieser Gattung als noch vor 10 Jahren! Wie kann das sein? Es drängt sich der Verdacht auf, dass so manches Titelprojekt nicht primär zur Befriedigung eines Leserbedürfnisses gegründet wird, sondern weil mancher Verlag sich immer noch ein ertragreiches Geschäft in dieser Gattung verspricht.

Und hier schließt sich der Kreis zum übergeordneten Auftrag der Arbeitsgemeinschaft LA-MED: es bleibt immer noch viel Arbeit übrig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn dass die Werbeinvestitionen bei Anzeigen zurück gehen, bleibt eine Tatsache. Wir benötigen also mehr denn je fundierte ZDF (Zahlen, Daten, Fakten), um die Wertigkeit eines Fachinformations-Angebotes einschätzen zu können. Und hier sprechen wir bewusst von „Fachinformations-Angebot“ und nicht von Fachzeitschrift. Denn der Kanal wird immer unwichtiger. Der Inhalt zählt! Der Leser entscheidet immer souveräner selbst, über welchen Kanal er welche Informationen erhalten möchte.

Neben – und nicht anstatt – der klassischen Arbeit der Reichweitenmessung von Fachzeitschriften wird sich die LA-MED in Zukunft viel Mühe geben müssen, auch die neuen elektronischen Informationskanäle zu bemessen.

Denn dort findet ebenfalls hochwertiger Journalismus statt. Und auch dort brauchen wir Instrumente, um Qualität von Masse zu trennen. (erstmalig publiziert im Dezember 2012)

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