Sommerloch und Antizyklus

Je nachdem, von welchem Standpunkt aus man es betrachtet, hat so ein veritables Sommerloch ja ganz unterschiedliche Bedeutungsebenen.

Aus der Sicht der Medien ist es eine nachrichtenarme Zeit, die gern mit allerlei abstrusen Ersatzthemen gefüllt wird. Gern genommen dabei: exotische Tiere, hinterbänklerische Abgeordnete oder Promis aus der dritten oder vierten Reihe. Große Sportereignisse sind auch eher Mangelware und füllen, wenn sie schon mal stattfinden, bestenfalls den halben Sommer aus. Namhafte Kulturfestivals finden zwar landauf-landab statt, bieten jedoch nicht jenen polarisierenden Stoff, an dem sich wenigstens die Feuilletons gern reiben würden. Presseagenturen versorgen die Nachrichtenressorts zwar mit weltweiten Neuigkeiten, aber wir kennen ja alle die Relevanz des berühmten Reissacks, der in China gerade umgefallen ist.

Auf der Seite der Werbungtreibenden hat sich die unumstößliche Überzeugung festgesetzt, dass hundert Prozent der Bevölkerung sowieso weit weg verreist ist und dort jeden Kontakt zu Medien scheut. Und falls doch noch ein verwirrter Verbraucher seinen schnukeligen heimischen Balkon genießt, ist er dort für Werbebotschaften eh nicht ansprechbar. Zwar finden in dieser Zeit massenweise Kaufakte statt, diese Tatsache scheint aber nicht für das Vorhandensein von Verbrauchern zu sprechen. In der Auswirkung sind sich Werbungtreibende plötzlich alle einig: Werbung ist in dieser Zeit nicht nur verzichtbar, sondern regelrecht wirkungslos und mithin einzustellen.

Was liegt für einen Mediaberater wie mich also näher, genau in dieser Zeit mit der Publikation seines Blogs zu starten? Ein flüchtiger Blick in mein berufliches und privates Umfeld genügt, um zu wissen, dass nie mehr als grob geschätzt 15 % meiner Mitmenschen gleichzeitig weg sind. Anders herum: 85 % sind also nach wie vor da. Und von denen, die verreisen, kommt heutzutage kaum mehr einer ohne moderne Kommunikations-Gadgets aus. Die tatsächlich spürbare Abstinenz der sonst üblichen Werbeflut nehme ich als Aufmerksamkeitsvorteil für meine eigenen Botschaften. Die ablenkungsfreie Zuwendung bleibt mir erhalten. All das verrate ich natürlich niemandem, sondern publiziere ganz frech und antizyklisch mein eigenes Blog. Sie, die oder der Sie diese Zeilen gerade lesen, sind also mein heimliches Erfolgskalkül, um die Erwartungen mal gleich auf ein herausforderndes Niveau zu schrauben.

Ich zähle auf Sie! Mit ihren Kommentaren, Verlinkungen und Empfehlungen werden Sie meine schlaue Taktik nun bitte bestätigen. Mit jeder einzelnen Weiterverbreitung der Nachricht über dieses sensationelle neue Blog verifizieren Sie meine Taktik. Falls das funktioniert, werde ich es anschließend all meinen Kunden verraten.

Bleiben ihre Wortmeldungen jedoch aus, werde ich klein bei geben und zu der Schar der Sommerloch-Apostel konvertieren und mich ab jetzt mit Fragen zum persönlichen Lichtschutzfaktor befassen. Dafür gibt es im Übrigen eine ziemlich schlaue – gesponsorte! – App .

Übrigens: mit einem Klick auf „Hinterlasse einen Kommentar“ öffnen sich eine Reihe von Sharing-Optionen. Es muss sich also niemand durch die Fülle an Archivtext scrollen, den ich hier als Zweitverwertung eingestellt habe.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Sommerloch und Antizyklus

  1. Endlich substanzielles Gehirnjogging auch am Strand 🙂

  2. Kornelia Wind

    Lieber Herr Bischof,
    Sie sprechen mir aus der Seele. Es machen nun mal nicht alle gleichzeitig im Sommer Urlaub und fahren weg. Es bleiben immer genügend Menschen an den Arbeitsplätzen, und sie wollen auch in der Sommerzeit informiert werden. Wer schlau ist, nutzt die Vorurteile. Schaltet antizyklisch, wirbt gerade in dieser Zeit und sichert sich damit hohe Aufmerksamkeit.
    Beste Grüße
    Kornelia Wind

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