Die Spreu vom Weizen trennen

Diesmal geht es um ein paar Gedanken zum übergeordneten Auftrag der Arbeitsgemeinschaft LA-MED und was das alles mit Qualitätsjournalismus im Fachbereich zu tun hat.

In zahlreichen Publikationen der Branchenpresse lesen wir ständig von den teilweise dramatischen Umsatzrückgängen im Anzeigengeschäft der klassischen Printmedien. Flankiert und heftig befeuert wird diese Diskussion von den tragischen Meldungen über das Zeitungssterben in Deutschland und weltweit. Das Schicksal der „Financial Times Deutschland“ wird dabei gern als Paradigma einer wuchtigen Entwicklung angeführt, deren heftigste Folgen uns erst noch bevorstehen. Nun, es kann gut sein, dass das alles so kommt. Es kann aber auch – erstens – anders kommen, und – zweitens – als mancher denkt. Trotz vieler Auguren, die gefragt oder ungefragt ihre Prognosen abgeben, weiß das im Moment keiner wirklich.

In unserer schönen kleinen Welt der medizinischen Fachzeitschriften scheinen wir eh noch in einer Kapsel zu leben, die ihren eigenen Entwicklungsgesetzen folgt. Im Kontext einiger aktueller Diskussionen um Auflagenzahlen habe ich mir in der IVW mal nicht die Auflagenmeldungen angeschaut, sondern die Anzahl der geprüften Titel.

In der Quartalsmeldung 3/12 meldet die IVW in der Gattung „Medizin und Gesundheitswesen“ 202 geprüfte Titel. Und da sind Pharmazie- und Veterinärtitel noch gar nicht mitgezählt. Für sich alleine sagt diese Zahl natürlich nicht viel aus. Ich habe daher mal die Entwicklung seit Anfang 2001 in dieser Grafik abgebildet:

IVW-Reihe

Was wir sehen, ist durchaus erstaunlich: von einer Spitze Ende 2008 mal abgesehen, gab es bis zum Quartal 4/12 selten so viele Titel wie zur Zeit. Im Moment gibt es immer noch ca. 50 Titel mehr in dieser Gattung als noch vor 10 Jahren! Wie kann das sein? Es drängt sich der Verdacht auf, dass so manches Titelprojekt nicht primär zur Befriedigung eines Leserbedürfnisses gegründet wird, sondern weil mancher Verlag sich immer noch ein ertragreiches Geschäft in dieser Gattung verspricht.

Und hier schließt sich der Kreis zum übergeordneten Auftrag der Arbeitsgemeinschaft LA-MED: es bleibt immer noch viel Arbeit übrig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn dass die Werbeinvestitionen bei Anzeigen zurück gehen, bleibt eine Tatsache. Wir benötigen also mehr denn je fundierte ZDF (Zahlen, Daten, Fakten), um die Wertigkeit eines Fachinformations-Angebotes einschätzen zu können. Und hier sprechen wir bewusst von „Fachinformations-Angebot“ und nicht von Fachzeitschrift. Denn der Kanal wird immer unwichtiger. Der Inhalt zählt! Der Leser entscheidet immer souveräner selbst, über welchen Kanal er welche Informationen erhalten möchte.

Neben – und nicht anstatt – der klassischen Arbeit der Reichweitenmessung von Fachzeitschriften wird sich die LA-MED in Zukunft viel Mühe geben müssen, auch die neuen elektronischen Informationskanäle zu bemessen.

Denn dort findet ebenfalls hochwertiger Journalismus statt. Und auch dort brauchen wir Instrumente, um Qualität von Masse zu trennen. (erstmalig publiziert im Dezember 2012)

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Eingeordnet unter Im MWO Newsletter erschienen, von mir verfasst

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